Onlineshop Technologien: eine ShopTech-Übersicht

Onlineshop Technologien

Onlineshop Technologien in den News

Anbieter von Webshop-Software (oder ShopTech, Onlineshop-Technologien) und -Plattformen gehören seit geraumer Zeit zu den am heissesten gehandelten Unternehmen weltweit. Seit vielen Jahren zeichnet sich in fast allen Branchen weltweit eine starke Entwicklung in Richtung Online-Handel ab.

Dementsprechend werden am Markt etablierte Anbieter von Online Shop Technologien für Unsummen von Geld von Grossunternehmen übernommen. Prominentestes Beispiel war im Jahr 2018 die Übernahme von Magento, eines der führenden Unternehmen im Bereich E-Commerce-Plattformen, die sich der US-amerikanische Softwaregigant Adobe Inc. 1,7 Milliarden US-Dollar kosten liess. Aber auch vielversprechende Startup-Firmen, die neuartige Webshop-Technologien entwickeln, werden förmlich mit Geld von renommierten Risikokapitalgebern zugeschüttet. Die ebenfalls 2018 erfolgte Finanzierung des deutschen E-Commerce Technologie-Startups Spryker mit 22 Millionen US-Dollar und des kanadischen E-Commerce Plattform-Anbieters Elastic Path mit 43 Millionen kanadischen Dollar sind nur zwei von vielen Deals aus der Venture Capital Szene.

Der Dschungel der Onlineshop Technologien

Der Dschungel der Onlineshop-Technologien ist ein Dickicht verschiedenster Unternehmen und Systeme. Hier werden dir sowohl bekannte Namen wie BigCommerce, Commercetools, Intershop, Magento, Salesforce Commerce Cloud, SAP Commerce Cloud (SAP Hybris) und Shopware, als auch unbekanntere Firmen wie Spryker, Paloma und Prestashop begegnen. Noch undurchsichtiger wird das Dschungel-Dickicht durch die verschiedenen im Markt verfügbaren Technologien wie Cloud, Headless und On-premise sowie ein Sammelsurium an Abkürzungen von API über IoT bis zu SaaS.

Die grundsätzlichen Richtungen von Onlineshop Technologien

Heutzutage lassen sich drei grundsätzliche Richtungen von Onlineshop Technologien klassifizieren:

  1. On-Premise
  2. SaaS/Cloud
  3. Headless.

Diese drei Richtungen unterscheiden sich in erster Linie in Bezug auf ihre Hard- und Software Infrastruktur sowie Logik. Um dir den besten Weg durch den Dschungel der verfügbaren Online Shop Technologien bahnen zu können, solltest du als E-Commerce Manager eines Unternehmens mit allen drei technologischen Richtungen bestens vertraut sein. Nur so kannst du sicherstellen, dass du langfristig die für dein Unternehmen beste technologische Richtung einschlägst.

ShopTech: On-Premise Systeme

„On-premise“ bedeutet aus dem Englischen übersetzt „in den eigenen Räumlichkeiten“ bzw. „vor Ort“. Wir aus der Bezeichnung bereits hervorgeht, handelt es sich dabei um ein lokales Nutzungsmodell von Online Shop Technologien. Bei On-premise Systemen erwirbt dein Unternehmen in der Regel Software-Lizenzen und betreibt die lizensierte Software auf eigener Hardware. Dies kann sowohl ein eigenes Rechenzentrum sein als auch gemietete Server in einem fremden Rechenzentrum. Im Unterschied zu Saas/Cloud-Systemen wird die Hardware bei On-premise Lösungen nicht vom Anbieter der Software bereitgestellt.

On-premise Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass die Installation und der Betrieb (einschliesslich der Wartung, der Upgrades, etc.) durch den Kunden übernommen worden. Ein weiteres Merkmal von On-premise Lösungen ist, dass es sich dabei um sogenannte „Monolithen“ handelt. Das bedeutet, dass die Software-Architektur alle funktionalen Elemente in einem einzigen homogenen Gebilde verbindet. Da bis etwa 2010 die lokale Nutzung von Software den Normalfall auch im Bereich der Webshop Technologien darstellte, gibt es eine Vielzahl verschiedener On-premise Lösungen und Anbieter am Markt.

Die Angebote richten sich an Unternehmen unterschiedlicher Umsatzgrössenordnungen und bieten meist einen „Blumenstrauss“ an Standardfunktionen an. Bekannte On-premise Technologien im KMU-Segment sind beispielsweise Magento Open Source, Oxid, Shopware und Spryker. Die wichtigsten On-premise Syteme im Entreprise-Segment sind Intershop, Oracle Commerce Cloud, SAP Hybris und WebSphere Commerce.

On-premise Online Shop Lösungen stellen zwei grosse Herausforderungen an dich: Erstens sind oftmals mit hohen Lizenzkosten und obligatorischen Updates verbunden. Und zweitens sind sie meist auf Desktop/Mobile-Shops spezialisiert. Die Ausrichtung auf weitere Anwendungen, Marktplätze, POS bzw. API ist in der Regel nachrangig.

ShopTech: SaaS-/Cloud-Systeme

Seit mehreren Jahren erfreuen sich Software as a Service (SaaS) Lösungen grosser Beliebtheit, auch im Bereich von E-Commerce. SaaS ist ein Teilbereich des Cloud-Computings und basiert demnach auf der grundsätzlichen Logik, dass die Software sowie die IT-Infrastruktur von einem externen IT-Dienstleister betrieben werden und der Kunde diese lediglich als Dienstleister nutzt. Der Software-Anbieter betreibt die Saas-/Cloud-Lösung somit end-to-end. Der Kunde muss lediglich ein Plattform-Abonnement zur Nutzung der Software bzw. der Infrastruktur abschließen. Die bekanntesten Anbieter von Saas-/Cloud-Shopsystemen sind BigCommerce, Epages, Salesforce Commerce Cloud und Shopify.

Für dich als E-Commerce Manager ist der grosse Vorteil einer SaaS-/Cloud-Lösung die vollständige vertikale Integration. Vom Betrieb der Server in einem Rechenzentrum über die komplette E-Commerce Logik (einschliesslich Versand- und Payment-Integration) bis hin zur Ausgestaltung des Frontends liegt alles in der Hand des Software-Anbieters. Für einen Online Shop auf Basis einer SaaS-Lösung ist somit kein bzw. nur ein minimales eigenes Knowhow erforderlich.

Ein weiterer Vorteil von SaaS-/Cloud-Lösungen ist die schnelle Time-to-Market. Neue Funktionalitäten und Updates können innerhalb kürzester Zeit über die Cloud allen partizipierenden Unternehmen zugänglich gemacht werden. Ausserdem zeichnen sich SaaS-Lösungen durch ihre hohe Skalierbarkeit aus.

Als E-Commerce Manager solltest du dir bei den vielen gewichtigen Vorteilen einer Saas-Shoplösung auch zweier bedeutender Nachteile bewusst sein. Zum einen sind Software as a Service Lösungen nur bedingt an deine individuellen E-Commerce Bedürfnisse anpassbar. Zum anderen setzt du dein Unternehmen einem sogenannten „Vendor Lock-In“ aus. Das bedeutet, dass du dein Webshop System nicht mehr ohne signifikanten Aufwand gegen eine gleichwertige Lösung eines anderen Anbieters austauschen kannst. Meist sind die proprietären Lösungen von SaaS-Anbietern inkompatibel mit denen ihrer Wettbewerber.

ShopTech: Headless-Systeme

Das Konzept der sogenannten „Headless“-Architektur beruht auf einer Trennung des Frontends (der Benutzeroberfläche) vom Backend (den nachgelagerten Prozessen). Beide Bereiche kommunizieren über eine standardisierte API (Schnittstelle), die den Austausch von Informationen ermöglicht. Vereinfacht gesagt handelt es sich bei einem Headless-System um eine E-Commerce Plattform ohne ein fest verdrahtetes Frontend. Anbieter von Headless-Systeme sind Paloma, Commercetools und Moltin.

Wie bei einer Saas-/Cloud-Lösung schliesst du als Kunde ein Abonnement zur Nutzung der Headless Commerce Plattform ab. Die API zur Kommunikation zwischen Back- und Frontend wird vom Hersteller der Headless Commerce Plattform zur Verfügung gestellt. Die Frontend-Anpassungen erfolgt durch dich als Händler.

Ein Headless Commerce System hat zwar den Vorteil, dass sich darüber ein individuelles Frontend an eine bestehende E-Commerce Plattform anbinden lässt und viel Flexibilität gegeben ist. Es stellt jedoch den Händler vor die Herausforderung, das Frontend individuell zu entwickeln. Dementsprechend hoch sind die Anforderungen bei einem Headless Commerce System an das IT-/E-Commerce Team in deinem Unternehmen.

Kriterien für die Shoptech-Auswahl

Je grösser und komplexer der von dir betreute Webshop ist, desto mehr Kriterien wirst du in der Regel für die Auswahl der idealen Shop-Technologie haben. Unabhängig von Grösse und Komplexität des Webshops sind die fünf wichtigsten Kriterien für die Onlineshop Technologie die Kosten, die Geschwindigkeit, die Flexibilität, das Knowhow/Spezialwissen und der Reifegrad.

Kosten

Bei den Kosten der Shop-Technologie müssen drei Bereiche berücksichtigt werden: Die Kosten für die erforderlichen Software-Lizenzen, für die Wartung und den Betrieb der IT-Infrastruktur und für die für die Betreuung des Shops notwendigen Mitarbeiter. Erst die Summe dieser drei Positionen ergibt das wahre Kostenbild der jeweiligen Shop-Technologie. Die geringsten Kosten entstehen in der Praxis bei SaaS-Systemen. Headless Commerce und On-premise Systeme sind aufgrund der bei ihnen erforderlichen individuellen Anpassungen und des eigenen Betreuungsaufwandes mit etwas höheren Kosten verbunden.

Geschwindigkeit

In Zeiten des rapiden Wandels der Handelswelt ist die Geschwindigkeit ein nicht zu vernachlässigendes Kriterium für dich als Webshop-Betreiber. Unter dieses Kriterium fallen sowohl die Schnelligkeit des Markteintritts als auch die Schnelligkeit und Regelmässigkeit von Updates. In puncto Geschwindigkeit laufen Saas-/Cloud-Lösungen den beiden anderen Shop-Technologien den Rang ab. Auf Grundlage der zentralen Verwaltung aller Funktionen und der kompletten vertikalen Integration können SaaS-Lösungen viel schneller neue Funktionalitäten und Updates auf den Markt bringen als On-premise und Headless Commerce Systeme.

Flexibilität

Unter das Kriterium der Flexibilität fallen die Erweiterbarkeit und Konnektivität (durch Schnittstellen) des Online Shops. Während die Flexibilität von On-premise Systemen als eher gering anzusehen ist, ist sie bei Headless Commerce Plattformen aufgrund der architektonischen Trennung von Backend und Frontend sehr gross. SaaS-Lösungen sind in Sachen Flexibilität im Mittelfeld angesiedelt.

Knowhow/Spezialwissen

Das Kriterium Knowhow fasst das für die Einrichtung und den Betrieb des Online Shops erforderliche Spezialwissen zusammen. Dabei geht es um Fragen wie die Teamstruktur und Organisation deines E-Commerce Teams, dessen laufende Weiterbildung und die Notwendigkeit sowie Verfügbarkeit von externem Wissen. Wegen der vollständigen Auslagerung der Shop-Infrastruktur bei SaaS ist das erforderliche Knowhow bei einer Cloud-Lösung am geringsten. On-premise- und Headless-Systeme erfordern etwas mehr Spezialwissen.

Reifegrad

Nicht zuletzt ist auch der Reifegrad einer Shoptech-Lösung ein wichtiges Auswahlkriterium. Vor allem wenn dein Unternehmen einen grossen und/oder komplexen Webshop betreibt, solltest du den Reifegrad keinesfalls ausser Acht lassen. Zum Kriterium Reifegrad zählen Punkte wie die Funktionalität der Software, das Ökosystem, in das der Shop eingebettet ist und die Roadmap für die zukünftige Weiterentwicklung. Aufgrund ihrer langjährigen Etablierung am Markt weisen On-premise Lösungen den höchsten Reifegrad auf. Obwohl SaaS- und Headless Commerce Systeme etwas jünger sind, haben auch sie inzwischen einen hohen Reifegrad erreicht.

Wer nutzt welche Onlineshop Technologie?

On-premise Systeme sind Software-Lösungen mit einem hohen Reifegrad und einem gut entwickelten Ökosystem. Sie eignen sich am besten für Unternehmen mit einem statischen Geschäftsmodell bzw. Firmen aus wenig disruptiven Branchen. Ausserdem sollte bei der Entscheidung für eine On-premise Lösung ein ausreichend grosses Budget vorhanden sein.

Aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit und ihrer schnellen Time-to-Market sind Software as a Service Lösungen vor allem für hochgradig agile Unternehmen aus Wachstumsbranchen vorteilhaft. Wenn dein Unternehmen hingegen ein sehr individuelles Geschäftsmodell verfolgt, das ein grosses Mass an Flexibilität erfordert, ist ein Headless Commerce System aufgrund der hohen Flexibilität und des geringen Vendor Lock-ins wahrscheinlich die geeignetste Technologie.

Die wesentlichen Herausforderungen von Webshop-Technologien

Herausforderung 1: „Alles ist so teuer!“

Du kennst es vielleicht aus eigener Erfahrung: Du richtest einen kleineren Change Request bezüglich deines Online-Shops an deinen Software-Provider und bekommst ein paar Tage später eine Kostenschätzung in Höhe eines fünfstelligen CHF-Betrags präsentiert. Gerade bei kleineren Unternehmen spielen die Kosten eine übergeordnete Bedeutung, was dazu führt, das bei Software-Lösungen vielfach die Marke Eigenbau vorherrscht.

Unabhängig davon, wie gross dein Unternehmen ist, solltest du bei der Entscheidung für eine Shop-Technologie unbedingt eine realistische Total Cost of Ownership Betrachtung anwenden. Nur wenn (wie weiter oben dargestellt) alle Kosten für Software-Lizenzen und Upgrades, die laufende Wartung und den Systembetrieb sowie alle dafür erforderlichen internen und externen Mitarbeiter berücksichtigt sind, bekommst du ein realistisches Bild der Gesamtkosten. Idealerweise betrachtest du die Kosten nicht nur in einem Jahr, sondern legst deiner Entscheidung eine 5-Jahres-Sicht zugrunde.

Herausforderung 2: Alles ist so langsam!“

Die Geschwindigkeit eines Webshops spielt sowohl aus Kunden- als auch aus Anbietersicht eine wesentliche Rolle. Vor dem Hintergrund, dass Kunden Webshops zunehmend von mobilen Endgeräten aus besuchen, solltest du der Geschwindigkeit deines Shops eine grosse Bedeutung beimessen. Darüber hinaus machen neue Technologien wie z.B. Progressive Web Apps (PWA) diesen Bereich zu einem der dynamischsten der Shop-Technologien.

Herausforderung 3: „Ich erreiche meine Kunden nicht mehr!“

Die wahrscheinlich grösste Herausforderung, mit der du als E-Commerce Manager aktuell konfrontiert bist, ist die sogenannte „Frontend-Revolution“. Während vor gut zehn Jahren nahezu 100 Prozent aller Website-Zugriffe über Desktop-Computer stattfanden, hat sich die Zugriffsstatistik seit dem Aufkommen mobiler Endgeräte wie Smartphones und Tablets radikal verändert. Inzwischen kommen in fast allen Branchen mehr als die Hälfte aller Website-Zugriffe über mobile Endgeräte zustande. Und ein Ende der Entwicklungsgeschichte neuer Endgeräte ist nicht absehbar.

Von Uhren über Küchengeräte und VR-Brillen bis hin zu Kleidungsstücken wird die Liste internetfähiger und vernetzter Geräte immer länger. Noch dazu beschleunigt sich die sogenannte „Adoption rate“ (die Zeit, in der Nutzer eine neue Technologie annehmen) immer mehr. Vor diesem Hintergrund musst du dich zwangsläufig damit auseinandersetzen, dass Nutzer die Produkte deines Unternehmens in Zukunft über ihre Uhr oder ihren Kühlschrank bestellen werden.

Schnittstellen zu Geräten aller Art werden in den kommenden Jahren eines der wichtigsten Features in der Webshop-Entwicklung. Unternehmen wie Commercetools, Magento, Oxid, SAP Hybris, Shopify, Paloma und Spryker bieten inzwischen vielfältige API für unterschiedlichste Endgeräte an.

Wer ist der richtige ShopTech-Anbieter?

Diese Frage lässt sich nur mit einem „kommt darauf an“ beantworten. Die Unternehmensberatung Gartner stellt jährlich den sogenannten „Magic Quadrant Digital Commerce“ auf. In diesem Quadranten werden alle wesentlichen Shoptech-Anbieter weltweit anhand der Vollständigkeit ihrer Vision und ihrer Fähigkeit zur Ausführung eingeordnet.

Wenn du einen visionären Onlineshop-Technologie-Anbieter suchst, der sich noch dazu durch eine gute Ausführungsfähigkeit auszeichnet (ein sogenannter „Leader“), bist du bei einem der Softwaregiganten wie Magento (Adobe), Oracle, Salesforce Commerce Cloud oder SAP richtig. Wenn du Wert auf Visionen legst, dir jedoch die Ausführungsfähigkeit nicht so wichtig ist, dann kommen sogenannte „Visionaries“ wie Commercetools oder Elastic Path in Frage.

Wenn für dich hingegen die Ausführungsfähigkeit ein bedeutenderer Faktor ist als die Vision, dann solltest du dich mit den Shop-Systemen der sogenannten „Challengers“ wie Apttus und Episerver beschäftigen. Und wenn du eher auf die Lösung eines kleinen „Niche Players“ setzen möchtest, dann können Firmen wie BigCommerce, Paloma und Shopify für dich von Interesse sein.

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